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Umbau zum KfW Energieeffizienzhaus 85
29th Apr

2014

Umbau zum KfW Energieeffizienzhaus 85

Umbau zum KfW Energieeffizienzhaus 85 wird zweimal prämiert


Ende 2012 kam die Familie Krause auf mich zu, um ein Energiekonzept für das neu erworbene, 1972 erbaute Fertighaus (Holzständerbauweise) zu erstellen.

Bei der Ist-Aufnahme des Objekts und einer Anfrage beim Verkäufer wurde mir ein Verbrauch von ca. 3.200 Liter Öl genannt. Das entspricht rund einem Liter Öl = 10 kW = 32.000 kWh. Geteilt durch die Wohnfläche von 144 m² ergeben sich so 222,2 kWh /m², was sozusagen ein 22-Liter-Haus ergibt.

An dem Objekt wurden in den letzten 41 Jahren keine energetischen Verbesserungen, wie zum Beispiel an den Fenstern, der Haustür, der Isolierung, Lüftung oder Solar vorgenommen, nur die Heizung wurde 1994 erneuert und durch einen Öl-Niedertemperatur-Kessel ersetzt.

Bei der energetischen Besichtigung sind uns keine größeren Baumängel wie zum Beispiel Risse oder Feuchte in den Wänden aufgefallen. Es roch auch nicht modrig, was man auf Schimmel hätte zurückführen können. Ein Blower-Door Test ergab einen N50 Wert von 5,9. Ein hoher Wert, aber normal für Häuser (Holzständerbauweise) von 1972. Auch die Thermografieaufnahmen die wir machten zeigten keine schlechten Ergebnisse, außer ein paar Wärmebrücken die schnell lokalisiert waren. Ursache hierfür waren Stahlträger, die aus statischen Gründen verbaut wurden.

Die Vorgaben des Bauherren waren eine Sanierung, auf den heutigen Stand der Technik oder besser, mit ökologischen Baumaterialien und zukunftsweisenden Energieträgern. Auch sollten die wohnliche Situation wie zum Beispiel ein neues Bad und Gäste-WC, sowie die neue Küche in den Wohnbereich zu integrieren, dem heutigen Stand angepasst werden. Dazu musste die Küchenwand zum Ess- und Wohnbereich demontiert werden.

Natürlich gab es auch einen finanziellen Rahmen, der nach Möglichkeit eingehalten und mit Förderprogrammen vom Staat und der KFW, sowie durch die Hausbank finanziert werden sollte.

Es wurden zwei Sanierungsvarianten erarbeitet, mit der Option – sich während der Renovierungsphase ergebende Überraschungen mit einzubeziehen. Was sich dann im Nachhinein auch ergab. Die zwei Sanierungsvarianten bauten jeweils separat auf sich auf, was bedeutete, dass der Bauherr die Kosten immer im Überblick hatte und die sich ergebenden Tatsachen (Überraschungen) mit einfließen konnten.

Energetische-Variante 1

Neue 3-Scheiben-Wärmeschutzfenster, U-Wert 0,89 mit warmer Kante und außen liegenden Rollläden, für einen wärmebrückenfreien Einbau, und eine neue Haustür, Ud-Wert 0,84 mit Sicherheitspaket. Die Geschossdecke soll von oben mit 12 cm Pur-Schaum WLG 022, zum kalten Speicher hin isoliert werden. Der offene Kellerabgang wird vom Wohnraum thermisch getrennt (geschlossen) und die Kellerdecke mit 10 cm Styropor WLG 032 komplett gedämmt.

Es wurden vier Blower-Door-Tests gemacht. Der Ist-zustand lag bei N50 = 5,9*,die B-Prüfung (bevor die Wände zu gemacht werden) bei N50 =1,6. Die A-Prüfung nach EnEV 2009 lag bei N50= 1,26. In einem Jahr soll zur Kontrolle eine weitere Messung durchgeführt werden (*der N50 Wert sagt uns, wie oft sich das ganze Luftvolumen des Hauses in einer Stunde auswechselt. N50=5,9 entspricht 5,9-mal dem Austausch der Luft in einer Stunde. Das sind die sogenannten Lüftungsverluste, im Volksmund auch „wir heizen für die Katz“ genannt.)

Die Bauherrin wollte im Wohnzimmer einen Holzofen mit Scheitholz, der mit einer Wassertasche kombiniert wurde, um zum Einen den offenen Wohn-Ess-Küchen-Raum (ca.70m²) zu beheizen und gleichzeitig Heizenergie in den 1.000 Liter großen Kombi-Pufferspeicher im Keller zu bringen, um diese dann zeitversetzt, später wieder in das Heizsystem des Hauses einfließen zu lassen.(Frau Krause ist glücklich und hat es warm)

Die Außenwände sollen mit 3 bis 4 cm starken Holzfaserplatten WLG 038 von Innen gedämmt werden und dann – um den Schallschutz zu erhöhen und um Masse (12 Tonnen Lehm) auf die Holzständerkonstruktion zu bringen – mit Lehmplatten verkleidet werden. Gleichzeitig können in den Lehmplatten Heizrohre als Wandheizung verlegt werden, sodass die alten Heizkörper im ganzen Haus demontiert werden können.                                                                                                                                              Im Bad und auch im Küchen- und Essbereich soll eine Fußbodenheizung realisiert werden.  Somit wäre das ganze Haus auf Flächenheizung umgerüstet  und in den nächsten 40 Jahren könnte mit einer niedrigen Vorlauftemperatur (28° bis 33°) gefahren werden, was den Wohnkomfort erhöhen würde, allergikerfreundlich wäre und helfe Energie zu sparen.

Bis hier würde sich der Energieverbrauch rechnerisch um ca. 50 Prozent auf rund 1.500 Liter Heizöl und zwei bis drei Ster Holz reduzieren. Somit auf 130 kWh/a, was wiederum einem 10-Liter-Haus entsprechen würde.

wäre.

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Das würde aber nicht reichen, um in das Förderprogramm von der L-Bank BW (KfW) zu kommen. Der Wert für die Hülle = Ht (Fenster u. Haustür, Keller, geschossdecke, Außenwand von Innen gedämmt) war in Ordnung, aber aufgrund der Anlagentechnik (Heizung) reichte es nicht. Es war schwer dem Bauherrn das zu vermitteln: … kein Geld vom Staat, … keinen Zuschuss.

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Übergang in die Energetische-Variante 2

Wenn es das Finanzielle zulässt, wird zur Heizungsunterstützung eine Solaranlage, mit 10 m² Hochleistungs-Flachkollektor und eine dezentrale Lüftung mit 90 Prozent Wärmerückgewinnung realisiert. Auch ein Anlagenmonitoring soll berücksichtigt werden um die Energieströme im Haus nachzuvollziehen und der Familie Krause ein optimales Zusammenspiel der Energieträger (Holz-Sonne-Öl) zu gewährleisten, um dann in ein bis zwei Jahren, das  Nutzerverhalten auf die Heizanlage und das Haus abzustimmen, was nochmals Energieeinsparung und Komfort mit sich bringt.

Mit diesen zusätzlichen Maßnahmen zu Variante 1 würden der Energieverbrauch noch einmal um 20 Prozent auf rund 70 Prozent gesenkt. Der Gesamtverbrauch würde sich auf 800 Liter Öl und 2 bis 3 Ster Holz + Sonne reduzieren – was rechnerisch dann einem 5-Liter-Haus entsprechen würde.

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Was die Förderung angeht sind wir nun in dem Programm KfW-Effizienzhaus 85  (KfW Programm-Nummer 151) und es gibt Geld vom Staat, Zuschüsse von der BAFA, KfW, L-Bank. Freude für die Bauherren und den Energieberater.

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Aus Theorie wurde Praxis und die Renovierungsarbeiten begannen Anfang 2013. Es kamen jeden Tag neue Erkenntnisse und Überraschungen hinzu und es stellte sich heraus, dass die aufeinander aufbauenden Sanierungs-Varianten 1 und 2 sich sehr gut ergänzten.

 

Der Umbau:

Wir fingen mit den Fenstern an, die alten Fenster wurden demontiert und die integrierten Rollladenkästen entfernt, zu Gunsten größerer Fensterflächen und mehr Tageslicht. Erste Schimmelflecken in der alten vier Zentimeter starken Isolierung aus Mineralwolle, wurden über dem Fenster zum Rollladenkasten hin sichtbar. „ … was nun?“ Mir wurde sofort bewusst das der gemessene N50 Wert von 5,9 seine Schatten voraus wirft (Luftdichtheit, Dampfbremse, Verarbeitung).

Schimmel über dem Fenster.
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Schimmel an allen Steckdosen. So wurde 1972 gearbeitet: keine Installationsebene für den Elektriker, Dampfbremse direkt auf Rigipsplatten, nicht abgedichtete Klebeband-Dichtmasse.

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Auch in der Decke hat sich der Schimmel wohlgefühlt….

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Eisenträger über dem Fenster = Wärmebrücke = Schimmel

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Der Bauherr erkannte das Problem und hat die einzig richtige Entscheidung getroffen: das Haus komplett zu entkernen und die Deckenverkleidung und die Innenwandverkleidung zu entfernen. Die Familie Krause wollte es vermeiden, die nächsten 30 bis 40 Jahre mit Schimmel unter einem Dach zu leben.

Was die Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung anging, gab es nun kein wenn und aber mehr. Die Bauherrschaft entschied sich für ein Bi-Dezentrales-System und gab grünes Licht dieses zu bestellen und zu montieren (ein dichtes Haus braucht eine Lüftungsanlage, wenn ein Haus nicht luftdicht ist hat man Schimmel).

anstelle der Isolierung der Geschossdecke von oben, wurde die Balkenlage mit 20 cm Holfaserdämmstoff WLG 038 ausgefacht. (Was mir aufgrund der Tatsache der ökologisch nachwachsenden Isolierung mit besserem Schallschutz und TAV auch lieber war).

Bei den Außenwänden des Hauses wurde genauso verfahren und das Gefach der Außenwand mit 10 cm Holzfaserdämmstoff WLG 038 isoliert (WLG steht für Wärmeleitgruppe. Je niedriger die Zahl, umso besser die Dämmung). Um die Mehrkosten decken zu können, musste Familie Krause sparen und diverse Leistungen in Eigenarbeit erbringen.

Weiter ging es mit dem Öl-Lager. Da der Heizraum für den neuen 1.000 Liter Kombi-Puffer zu klein war, musste ein Durchbruch zum Öl-Lager hergestellt werden. Die alten Stahltanks, drei mal 2.000 Liter mussten neuen Kunststoff-Öltanks weichen.

Alte Öl-Tank Entsorgung

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Öl-Tank Entsorgung durch eine Fachfirma.
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Die neuen Öl-Tanks kommen.

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Weiter ging es mit der Kellerdeckenisolierung im Heizraum und dem  Öl-Lager. Die Räume  waren leer und somit keine große Sache, die 10 Zentimeter starke WLG 032 Isolierung  anzubringen.

Der Bauherr bei der Arbeit.
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10 cm Styropor Isolierung WLG 035

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Als nächstes waren die Wände und Decken in Verbindung mit der Lüftungsanlage dran.

Wie oben beschrieben wurden die Wände und Decken mit Holfaserdämmstoff isoliert, eine Dampfbremse aufgebracht und eine Installationsebene für den Elektriker umgesetzt. Es folgte eine OSB-Platte, auf die dann die Lehmplatten im Format 1,20 x 0,20 Meter und einer Stärke von 3,5 Zentimeternfestgeschraubt wurden.  Diese wiederum wurden mit einem rund zwei Zentimeter starken Lehmputz versehen (Was die Dampfbremse angeht, musste sehr genau und gewissenhaft gearbeitet werden, um eine höchstmögliche Luftdichtheit zu erzielen. Die KFW fordert einen N50 Wert von 1,5. Bei der nach EnEV im A-Test hatten wir einen N50 Wert von 1,26, die KfW Anforderung war erfüllt).

20 cm Decken Isolierung mit Holzfaser WLG 038

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Außenwand 10 cm Holzfaser WLG 038.

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Die Dampfbremse, WICHTIG, WICHTIG..eine Saubere und gute Verarbeitung ist das A und O

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Noch ein paar Worte zur Lüftungsanlage: Es handelt sich um ein sogenanntes  dezentrales System mit 90 Prozent Wärmerückgewinnung. Es hat einen Kreuzstrom-Wärmetauscher, CO2- und Feuchtesensor um ein unnötiges Laufen der Lüfters zu vermeiden und den Feuchteschutz zu gewährleisten. Das besondere an diesem System ist ein Mix aus dezentralemsowie zentralem Lüftungsgerät. Es wird in die Außenwand eingebaut, hat aber zusätzlich Anschlüsse die es erlauben, mehrere Räume wie zum Beispiel Küche, WC, Bad, Büro und Kinderzimmer mit einzubinden. Die Lüfter können untereinander kommunizieren und sich auf den optimalen Luftwechsel einregeln (Nebeneffekte: Lärmschutz, Wärmerückgewinnung, allergikerfreundliches Wohnen, gute Luft im Haus).        

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Bi-dezentrales Lüftungsgerät mit 90 % Wärmerückgewinnung.

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Dezentrales Lüftungsgerät im Schlafzimmer mit Anschlüssen  für Büro , Kinderzimmer, Bad.

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Zu den Lehmplatten und dem Putz wäre noch was zu sagen, dass Lehm ein seit 3000 Jahren bekannter Baustoff ist, der leider ein wenig in Vergessenheit geraten ist. Er hat sehr gute Eigenschaften wie zum Beispiel Schallschutz, ist feuchteregulierend, Schadstoff absorbierend, zu 100 Prozent recycelbar und hat reichlich Masse (sehr schwer). Er lässt sich gut Verarbeiten und sehr praktisch ist auch, dass man in einer vorgefrästen Nut Heizungsrohre verlegen kann, und somit eine Wandheizung erhält. Wenn man dann noch das Zeitfenster von rund 30 Jahren beachtet, in dem für Wand und Heizung keine Sanierung mehr anstehen, wird klar, dass es sich empfiehlt den Baustoff Lehm zu verarbeiten.

Wie unten auf dem Bild zu sehen ist wurde die  OSB-Platte mit der Rigipsdecke sowie am Boden luftdicht angeschlossen und wir haben somit mehrere Schichten (Dampfbremse, OSB, Lehm) die eine gute Luftdichtheit ergeben. (Doppelgemoppelt hält besser)

Der Bauherr beim schrauben:

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Die Lehmplatten kann auch ein Leihe an die Wand schrauben……

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Einlegen der Heizungsrohre in die Lehm-Wand (Alu-Verbund-Rohr) kann man auch selber machen. Es wurden ca. 400 Meter Rohrleitungen in den Wänden verlegt.

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Vorgefräste Nut für Heizungsrohre 16mm

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Das Verputzen der Lehm Wand, das sollte ein „Profi“ übernehmen.

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Abtrocknen der Lehmheizungswand. (der Quadratmeter hat eine Heizleistung von ca. 80 Watt).

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Abtrocknen der Lehm-wand (Wandheizung)

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Weiter geht es mit der Fußbodenheizung, wo zwei unterschiedliche Systeme zur Anwendung kamen. Im Bad wurde ein Nasssystem realisiert, im Küchen- und Essbereich wurde ein Trockenbausystem mit nur 2,5 Zentimeter Aufbauhöhe verwendet.

Fußbodenheizung Nass-Estrich im Bad, Kompakte-Masse, guter Wärmespeicher, lange Trocknungszeiten.

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Trockenestrich im Ess-und Küchenbereich mit 11 mm Alu-Verbund-Rohr, zwei Heizkreise.  1.HzK- Küche 2.HzK- Esszimmer, in 42 Stunden zum Fliesen bereit(schnelle Reaktionszeit).

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Abtrocknen des Trocken-Estrichs

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Alles ging seinen Lauf. Die Handwerker und der Bauherr, sowie der Energieberater machten ihre Hausaufgaben und es ging gut voran. Bei der Frage welche Leuchttechnik zum Einsatz kommen sollte – Standardlampen 220 Volt oder LED-Lampen, entschied sich die Bauherrschaft für die moderne energiesparendere LED-Technik. Auch bei der Dunstabzugshaube kam moderne Umlufttechnik zum Tragen, um keine wertvolle Energie zu verlieren.

Dann kam die Nachricht, dass wir bei einem Wettbewerb der IWO (Institut für Wärme und Öltechnik aus Hamburg) gewonnen hatten. Ich hatte in diesem Institut an einer Schulung teilgenommen und mich als Energieberater qualifiziert und wusste dass das Sanierungsprojekt der Familie Krause gute Chancen auf einen Preis hatte.  So war es dann auch und die IWO spendierte den Bauherren eine neue Öl-Brenwert-Heizung und die Öltanks im Wert von 7.500 Euro was für große Freude im Hause Krause und natürlich bei mir selbst sorgte. (Einen kleinen Beigeschmack hat das Ganze allerdings. Wir binden uns für die nächsten 20 Jahre an den Energieträger Öl … ! Zum Glück haben wir noch Holz und Sonne sowie die Lüftung mit WRG und das Anlagen-Monitoring mit dem Nutzerverhalten-Faktor (Fa. Krause), die verhindern das der Neue Öl-Brennwertkessel anspringt.)

 1000 iter Kombi-Pufferspeicher, genug Platz für die Sonnen-Holz und Öl  Energie-Einspeicherung  (wird noch Isoliert)
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Ein Kombi-Pufferspeicher ist ein Energiespeicher bei dem auch das Warmwasser (Brauchwasser), das Warmwasser für das Duschen, die Küche usw.) im Durchlaufverfahren erwärmt wird. Dies entspricht dem heutigen Stand der Technik, um immer einwandfreies, hygienisch gutes Trinkwasser zu zapfen. (Legionellen)

Die Solaranlage aber auch der Holzofen können hier die Energie einspeichern, die die Familie Krause am anderen Tag (12 bis 24 Stunden) über die Wand oder die Fußbodenheizung wieder abrufen kann. Sollte die Sonne nicht scheinen und Herr Krause keine Zeit haben den Holzofen zu beheizen, springt automatisch die Ölheizung an und versorgt das Haus mit Wärme.

Der Pufferspeicher ist das Herzstück des Energiemanagements. Es gibt verschiedene Techniken und Philosophien, wie und wo man das Heizwasser entnimmt. Fakt ist, dass es drei Temperaturschichtungen gibt: warmes Wasser oben, lauwarmes Wasser in der Mitte und kaltes Wasser unten. Hier sollte man sich verschiedene Meinungen anhören und auf eine gute Beratung hoffen. Auch hier wieder an den Lebenszyklus denken–  ein guter Puffer hält normalerweise 30 Jahre.

Hier der Kombi-Puffer.(gut Isoliert)

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Die neue ÖL-Brenwert Heizung. (danke an die IWO)

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Die Solaranlage: Großflächen-Hochleistungsflachkollektor 10 m² – Ausrichtung Süd-Ost.

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Wie oben bereits erwähnt, wurde der unbeheizte Keller vom Wohnraum thermisch getrennt. Ein innovatives Wandschrank-System, maßgenau vom Schreiner eingepasst brachte die Lösung.

Thermische Trennung vom offenen Treppenhaus.

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Nachher

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Was man bei einer energetischen Sanierung (so wie im Leben) auch nicht aus den Augen verlieren sollte ist der Lebenszyklus. Er beschreibt die Kosten und die Lebensdauer der Maßnahme. So kostet ein Handy das man vier Jahre besitzt in der Anschaffung beispielsweise 400 Euro, was umgerechnet 100 Euro jährliche Kosten zuzüglich Strom bedeuten würde. Der Treppenabgang kostet rund 1.600 Euro und hält für die Dauer von 40 Jahren. Das entspricht 40 Euro im Jahr, die wiederum durch die erreichte Energieeinsparung locker reingeholt werden.

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Geld und Zuschüsse bekommt der Bauherr vom Staat, BAFA, L-Bank BW/KfW.

Ein Kredit über 75.000 Euro zu 0,75 Prozent Zinsen plus einem Tilgungszuschuss in Höhe von 10 Prozent = 7.500 Euro. Wenn er ein KfW Effizienzhaus 85 erreicht, dann noch von der BAFA für die Solaranlage 2.750 Euro. Sowie von der IWO für die Umsetzung energiesparender Maßnahmen und  dem Einbinden von Holz und Sonnenenergie 7.500 Euro (die er in eine neue Öl-Brennwertanlage investieren muss).

-          L-Bank BW ist die Landesbank Baden-Württemberg die mit der KfW zusammenarbeitet.

-          BAFA =  Bundesamt für Ausfuhrkontrolle ist zuständig für Erneuerbare Energien. (Solar, Biomasse, Wärmepumpen usw.)

-          IWO =  Institut für Wärme und Öltechnik, mit Sitz in Hamburg.

-          KfW  =  Kreditanstalt für Wiederaufbau.

-          Die meisten energetischen Arbeiten sind abgeschlossen und es wird Zeit für den Energieberater eine Zwischenbilanz zu ziehen. So wie Oben bereits beschrieben gibt es immer Unterscheide zwischen Theorie und Praxis (Energiekonzept und Umsetzung am Bau). Der letzte Energieverbrauch (Variante 2) konnte noch einmal um 10 Prozent gesenkt werden (neuer Öl-Brennwertkessel, mehr Isolierung in der Außenwand). Um sage und schreibe circa 80 Prozent konnte mit Holz/Sonne/Öl/Lüftung/WRG  der Energieverbrauch gesenkt werden, was rechnerisch für ein  4 Liter Haus  steht.

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Was die Förderung angeht sind wir jetzt in einen KfW Effizienzhaus 85.

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Wie man oben im Bild sieht, ist der Wert für den Jahres-Primärenergiebedarf (qp) sehr gut, nur bei dem Transmissionswärmeverlust (Ht) fehlt noch mehr Isolierung, um in die nächstbessere Effizienzhausklasse (KfW-EH-70) zu kommen. Für den Bauherrn würde das bedeuten, dass er statt 10 Prozent Tilgungszuschuss 12,5 Prozent bekommen würde, was 9.375 Euro entsprächen. Das sind 1.875 Euro mehr als im Effizienzhaus KfW 85. Denn je kleiner die Zahl vom errechneten Effizienzhaus, je besser ist das Haus und man bekommt mehr Förderung von der L-Bank/KfW und der BAFA.

Qp ist die Anlagentechnik. (Solaranlage, Öl-Brennwert, Lüftung mit WRG, Steuerung, Holzofen, Flächenheizung, Energieträger wie Holz, Strom, Gas, Öl, Sonne.  Ht sind die Transmissionsverluste der Gebäudehülle, (Fenster und Haustür, Wand-, Decken- und  Kellerdeckenisolierung.

Beide Werte Qp und Ht sind in der EnEV verankert und ergeben gemeinsam den Wert und die Bemessung zu einem Energie-Effizienzhaus (Wichtig für jeden Energieberater). Am Rande erwähnt: Es ist für den Energieberater nicht ganz einfach, das Ganze dem Bauherr plausibel zu erklären. So darf zum Beispiel der Holzofen mit Wassertasche laut KfW nur mit 10 Prozent bilanziert werden, obwohl die Praxis zeigt, dass man mit so einem 8 kW- Ofen, das ganze Haus heizen kann. Umgerechnet auf den wirklichen Holzverbrauch mit circa 6 bis 8 Ster und dem Monitoring, waren wir in der Variante 1 schon im 4 Liter Haus (Praxis und Theorie).

Weiter geht es zur Steuerung und Monitoring bei der Familie Krause, das mir persönlich sehr am Herzen liegt. (Das ist Anlagentechnik 4.0)

Wir werden drei Wärmemengen-Zähler im Haus verbauen um die Energieströme zu messen. Jeweils einer kommt in die Solaranlage und in den Holzofen, der dritte in den Vor- und Rücklauf der Heizanlage, um zu messen wie viel Energie in das Haus fließt. Dazu werden mehrere, etwa zehn bis fünfzehn Temperaturfühler, im Haus sowie im Heizraum montiert, die immer genau die Temperatur auf einen Monitor (PC) anzeigen. Somit hat man das ganze Haus mit den aktuellen Temperaturen immer im Überblick und weiß WARUM und WIEVIEL Energie von WO kommt und WO hingeht.

Nach meiner Meinung ist das die einzige Möglichkeit ein Hybrid-Heizsystem (Holz-Sonne-Öl) zu kontrollieren und zu optimieren und auf die Bedürfnisse der Bewohner abzustimmen. Auch hat sich der Bauherr mehrere Temperatur-, Feuchteanzeigen (Wetterstationen) im Haus verteilt, damit er und seine Frau immer die genauen Werte in den einzelnen Zimmern ablesen können. (Es ist immer hilfreich zu wissen wie warm oder kalt es gerade ist.)  Dabei werden alle fünf Minuten die Temperaturwerte vom Haus und die Außentemperatur sowie die Feuchte in der Steuerung gespeichert.

So sieht das ganze aus. (für den Laien etwas verwirrend, für mich als Energieberater wichtig)

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Durch dieses Monitoring/Loggen der Daten wird die Familie Krause die nächsten drei Heizperioden begleitet um die Anlagentechnik (Heizung) sowie das Nutzerverhalten  zu optimieren. (Nur wenn man weiß wann und warum und wo die Energie hingeht kann man  darauf reagieren)

Dann ging alles sehr schnell, die Zeit läuft und die Handwerker geben ihr Bestes, damit die Familie zum 01.September 2013 in ihr neues Haus einziehen kann. So wie es immer bei einem Umbau ist, ist die Endphase die stressigste. Viele Handwerker sind auf der Baustelle und versuchen sich nicht gegenseitig auf den Füßen zu stehen – Bodenleger, Fliesenleger, Gas- und Wasserinstallateur, Maler, Küchenbauer, Elektriker, Heizungsbauer, Schreiner, usw.

Doch meistens klappt alles wie geplant. Mit ein wenig Geduld vom Bauherrn, sowie Essen und Trinken beendet man die Baustelle im Guten. Und wie immer bleiben im Nachhinein noch einige Kleinigkeiten, die nicht so dringend sind, zu erledigen.

Für mich als Energieberater geht die Arbeit weiter. Der Abschluss muss gemacht werden und die Unterlagen zur Prüfung der Bank sowie der L-Bank BW vorlegen, damit der Bauherr an seine Gelder kommt. Dann werde auch ich eine Rechnung schreiben und diese der Familie Krause vorlegen, für die sie wiederum bei der KfW einen Antrag stellt (was ich für die Familie erledige) und mit 50 Prozent bezuschusst wird. So ergeben sich zum Beispiel aus einer Rechnung über 6.000 Euro für eine Energieberatung mit zwei Varianten, Blower-Door, Thermografie, KfW-Baubegleitung, Rechnungsprüfung, Vorortterminen, Besprechungen mit Handwerkern, Monitoring und auch ein wenig Seelsorger, ein Zuschuss über 3.000 Euro – bar auf die Hand (KfW-Baubegleitung Programm Nr. 431).

Hier noch ein Paar Bilder von der Baustelle und vom Haus.

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Gute Kollegen sind wichtig beim Umbau… Ein WC auch.

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Schimmel zum Bad hin                                       Der Alte Offene-Kamin (nicht Effizient)

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Der Kombi-Pufferspeicher das Herzstück u. Energiespeicher, Pumpen und Rohre, Ventile  (wird alles noch Isoliert)

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Die Lehmplatten, gut wenn man noch Kollegen hat (ca. 12 Tonnen)

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Die Lehm Platten im Haus verteilt.

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Das müssen alle Handwerker kapieren, sonst kommt der Schimmel und Energie geht verloren. Wichtig…Wichtig…Wichtig…Wichtig…Wichtig

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Die Luftdichtheitsschichten gut Abkleben u. immer vor-priemen (reinigen) für guten Kontakt.

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Die Wandheizung beim Abtrocknen (ca. 80 Watt a-m2)

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Die Fussboden-Heizung Küche. (ca.100 Watt a-m2)

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Die Rohre werden nur da verlegt wo später nichts steht. (Kühlschrank, Küchenmöbel, Herd)

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Die neue Küche kommt, darunter liegen die Rohre für warme Füße im Winter.

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Auch das Bad nimmt Formen an.

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Der Esszimmer und Küchen-Bereich der Familie Krause.

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Der Flur mit der Lehm-Wand-Heizung (im Roten Feld) auch die LED-Einbaulampen machen sich gut.

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Der Holzofen 8 kW, ich hoffe er hat auch die Leistung = KW, die der Hersteller vorgibt!!!!!!!!
Der Ofen wird später (wenn wieder Geld da ist) noch verkleidet (eingemauert).

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Hier noch ein Paar Daten zum neu Renovierten Haus:   Die Energieströme

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Die Bewertung laut EnEV 2009.

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Emissionen Vorher (Rot), nachher (Grün)

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Was will man mehr? Die Zukunft kann kommen.

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Zitat Herr Krause in einer E-Mail an die Jury „Baden-Württemberg macht sich klimafit“:

„Nach nun einem halben Jahr wohnen im sanierten Haus muss ich sagen, dass insbesondere die Lehmwände in Kombination mit der Blu-Martin-Lüftung ein sehr angenehmes Raumklima erzeugen. Die Luftfeuchtigkeit liegt beständig zwischen 40 und 50 Prozent, der Ofen (bzw. genauer: die Heizkassette) macht energetisch gesehen einen sehr guten Job und schafft  zudem Atmosphäre.

Ich würde alles noch einmal so machen; natürlich zeitlich gesehen etwas konsequenter da gewisse Dinge sich immer erst während der Sanierung ergeben, so z.B. die Entfernung und Neudämmung der Wändevon Innen“.

Und zum Schluss noch eine gute Nachricht: Familie Krause hat den zweiten Wettbewerb gewonnen. „Baden-Württemberg macht sich klimafit“. Der von der Schwäbisch-Hall gesponserte Preis von 10.000 Euro, der durch den aktuellen Baden-Württembergischen Umweltminister Franz Untersteller in Stuttgart überreicht wurde.

 Familie Krause mit dem Herr Minister.

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Wenn wir schon bei der Politik sind, würde ich gerne noch etwas sagen.

Die Energiewende, der Co2-Ausstoß, die 2,5 Grad-Erderwärmung, 2020,  über die wir jeden Tag in den Medien lesen und hören, ist ein gesellschaftliches Anliegen und sollte von jedem Bundesbürger ernst genommen werden. Eine sehr einfache und wirkungsvolle Maßnahme was für die Umwelt wäre: Ökostrom zu beziehen, Power zu Gas (Wind-Gas) zu unterstützen, Solar und Holz (der Mix macht’s) als Energieträger mitzuverwenden, und mit Energie sowie Wasser und Rohstoffen sparsam umzugehen. Auch sollte man immer beachten dass die Lobbyisten (in Berlin) ihre Arbeit gut machen und es für den Endverbraucher (Bürger) sehr schwer ist, die eigentlichen Beweggründe der Politik zu erkennen und zu verstehen.

Der Beruf Energieberater ist beim Endverbraucher noch nicht so richtig angekommen (weil sich JEDER Energieberater nennen darf) und es wiederum für den Laien sehr schwer ist, die ganzen DIN-Normen und Gesetze zu verstehen. Hier einmal ein paar Gesetze und DIN-Normen mit denen wir Energieberater uns befassen müssen. EnEG (Energieeinspargesetz),  EnEV (Energieeinsparverordnung), EEWärmeG (Erneuerbar-Energie-Wärmegesetz).  Berechnungsverfahren: DIN 4108 /4701-10 und die DIN 18599, Kfw-Effizienzhaus-Regeln. Beratungen: Vorortberatung (BAFA), ESC-BW (Energiesparcheck Baden-Württemberg),  Haus-Sanieren-Profitieren (ein kostenloser Service) um nur einige zu nennen (es gibt noch unzählige andere Beratungs-Varianten, DIN-Normen und Gesetze, zum Leid von Energieberater und den Bürgern).

Wie oft im Leben, gibt es gute und neutrale Energieberater sowie auch schlechte, befangene Energieberater die sich am Markt tummeln und für Verwirrung sorgen (guter Arzt – schlechter Arzt, guter Handwerker – schlechter Handwerke, usw.).

Eins ist aber auch klar: Ein gutes Energiekonzept kostet sein Geld. (Kostenlos ist nur der Tod, und der kostet das Leben)

Ich hoffe der Bericht hat Ihnen gefallen und Sie ein wenig motiviert und mitgenommen, zu dem was Ihre private-Energiewende angeht. Die nächsten Generationen werden es Ihnen Danken und Sie werden sehen, dass es nicht schwer ist, was für die Umwelt zu tun.

Meine Bitte an die Politik: Macht es nicht so kompliziert für uns Energieberater und die Bürger, dann schaffen wir das Ziel auch. (Wärmewende = Energiewende)

 

Ihr Energieberater HWK…. Jörg Maurer

Langsam Teuer aber gut………………………..

 

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